Wanderruderfahrt Elbe 2026
Teilnehmende: Petra und Harald Beckel, Siggi und Klaus Stall, Anna, Adele, Chris, Bettina Beilstein-Henrich, Andrea, Frank Schreiber, Beatrice, Bernd Priemer, Herbert Diehl, Martin Brüggemann und Bettina Gerner
Vom 18. bis 25.4.2026 fahren wir mit der Wolkenstein und der Mollebusch
Um etwaige Mängel, Versäumnisse oder zeitliche Engpässe zu vermeiden (siehe Vorjahr), wird bereits am Donnerstag abgeriggert und aufgeladen. Eine reibungslose Aktion, gut gelaunt und bei bestem Wetter abgespult. Die Wahl fällt auf die Boote Mollebusch und Wolkenstein, da damit gerechnet wird, hin und wieder in Ermangelung von Stegen am Ufer anlanden zu müssen (Hat sich auch bewahrheitet). Hier würden Holzboote eher Schaden nehmen… Der Umstand, dass Martins großer und kleiner Gesäßmuskel weder in der Mollebusch, noch der Wolkenstein auf den Steuersitz passt, erfordert seinen Einsatz als Mitruderer und als Landdienst. Darüber freut er sich und wird sich entsprechend abwechslungsreich organisieren.
Tag 1 Sa 18.04.26 Ankunft Pirna
Die Abfahrt am Samstag erfolgt pünktlich und geordnet. Harald zieht den Hänger mit dem Beckel-Bus, und der Rest fährt als Fähnlein in Martins hinterher.
Start der Wanderfahrt wird in Pirna am dortigen Ruderverein sein, und schlafen werden wir für zwei Nächte in Dresden.ach der langen Fahrt rudern wir am ersten Tag nicht mehr, sondern machen uns auf den Weg in die Stadt. Gerne hätten wir einen Blick in die Frauenkirche geworfen, aber dort findet ein Konzert statt, und die Türen sind geschlossen. Wer noch nie in Dresden war – so wie ich – findet sich überwältigt von der Zahl der Prachtbauten, der zauberhaften Lage am Elbestrand und dem vielfältigen Kulturangebot. Noch viel mehr, wenn man sich Aufnahmen der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg angesehen hat.
Das ist übrigens auch ein Aspekt der Wanderfahrerei: Man bekommt Lust auf tiefere Einblicke in Gegenden und Städte, die während der Reise nur kurze Eindrücke gewährt haben.
Zum Abendessen treffen wir uns im „Radeberger Spezialausschank“, hier gibt’s sächsisches Essen und lokales Bier. Letzteres ist wirklich lecker!
Leider ist es zu kalt, um den schönen Blick von der Dachterrasse auf die Elbe zu genießen.
Tag 2 So 19.04.26 Pirna - Dresden
Am nächsten Tag ist Regen angesagt – ab vormittags. Da wir am ersten Tag nur verhältnismässig wenige Kilometer rudern, streben wir einen frühen Start und Ankunft vor Starkregen und Gewitter an. Bei der Abfahrt ist es zwar kühl und grau, aber trocken. Wir haben Glück und absolvieren eine trockene Etappe bis nach Dresden. Fast über die gesamte Strecke sehen wir schöne Villen und Schlösschen, allen voran das Schloß Pillnitz, trotz grauem Himmel farbenprächtig und imposant. Bei unserer Ankunft in Dresden ist der Landdienst (Frank und Martin) noch nicht da, weil sie den Zufahrtsweg zum Flussufer nicht finden. Die Stufen von einer Lagerungsmöglichkeit der Boote bis zum Steg sind steil und hoch, aber Hunger und Regen erfordern Tempo und Zielstrebigkeit.
Ziel und Rettung vor dem Regen ergibt sich auf dem Weg, sozusagen durch die Hintertür.
Ein freundlicher Grieche begrüßt uns mit Uso und einer umfangreichen Karte.
Während wir uns Schafskäse und Gyros schmecken lassen, öffnen sich draußen alle Himmelsschleusen, und es schüttet wie aus Eimern, die Fallrohre können die Wassermassen kaum fassen…
Wieder zurück im Hotel angekommen, treffen sich einige zum Spielen im großen Frühstücksraum, die anderen belassen es bei einer heissen Dusche und etwas Ausruhen, bevor abends das nächste Brauhaus angesteuert wird. Da muss man schon trinkfest sein, regelrechte kleine Eimer werden ausgeschenkt.
Weil Sonntag ist, schliesst das Brauhaus zeitig, und der noch belastbare Teil der Truppe nimmt noch einen Gute-Nacht-Drink im Irish Pub ein.
Die günstige Lage des Ibis-Hotels macht vieles fussläufig möglich. Auch wenn man zeitgleich den Spiegel befragen, urinieren und aus dem Fenster schauen kann, machts die Lage allemal wett.
Bereits am ersten Morgen unserer Reise setzt Harald ein für die Dauer der Wanderfahrt unvergessliches musikalisches Zeichen; es lautet: „Wir haben oben gute Laune, unten gute Laune, … ebenso vorne, hinten, rechts, links und ringsherum...“ Die „musikalische“ Performance verbunden mit den dazu passenden tänzerischen Bewegungen wird jetzt überall vorgetragen, wo eine gewisse Stimmungsaufhellung angemessen scheint…
Am Steg, im Hotel, auf der Strasse, egal!
Tag 3 Mo 20.04.26 Dresden - Meissen
Am dritten Tag – also am zweiten Rudertag – regnet es während des überwiegenden Teils der Fahrt. Und nicht nur das: es weht ein eiskalter Wind aus der falschen Richtung (immer), und der schiebt auch noch für einen Fluss beträchtliche Wellen hoch. Da hilft auch kein Oben-unten-vorne und hinten mehr. Klatschnass und frierend erreichen wir Meissen und stürmen – im Auto notdürftig umgezogen – ein Cafe in unmittelbarer Nähe unseres Anlegeplatzes.
Die nette Inhaberin versorgt uns mit Heissgetränken und hat auf Bitten des Landdienstes alle Heizungen voll aufgedreht. Adele, Bernd und die Bettinen sitzen wie die Hühner auf der Stange darauf und warten auf das leckere und preiswerte Mittagessen - es gibt sogar ein köstliches vegetarisches Gericht.
Anschliessend geht es ins Hotel, das geführt wird nach dem Motto „Black is Beautiful“. Schwarze Tapeten, glitzernde schwarze Kissen und schwarze Kacheln und dabei wohnlich und gemütlich. Nach einer kurzen Pause geht’s in die Stadt, beziehungsweise in die Meissner Porzellanmanufaktur. Die Ausstellung ist wirklich überwältigend. Auch wenn man keine „Porzellanfigürchen“ mag, ist die Kunstfertigkeit und der Detailreichtum von Geschirr, Pokalen und Vasen beeindruckend und interessant.
Zum Abendessen treffen wir uns später oben am Domplatz – natürlich in einem Brauhaus.
Ein schöner, holzgetäfelter Gastraum mit historischem Flair und bezauberndem Blick auf Altstadt und Elbe. Einige haben auf dem Fussweg zum Essen das Glück, dem Küster des Doms zu begegnen, der ihnen noch eine kurze Führung angedeihen lässt. Im Brauhaus ist das Bier wieder topp, Ambiente und Essen auch, und der Fussweg durch die gut erhaltene Altstadt mit schönen kleinen Geschäften und Trödelläden eine romantische Abwechslung.
Tag 4 Di 21.04.26 Meissen - Mühlberg
Der dritte Rudertag führt uns von Meissen nach Mühlberg. Beatrice, Adele und Bettina G haben in der ersten Etappe Landdienst und schauen sich unterwegs das Schloss Hirschstein an – heute ist ein Kinderheim drin. Am Fuss des Schlosses führt ein Radwanderweg entlang, an dem ein Schild auf einen schon seit der Bronzezeit genutzten, uralten Handelsweg hinweist, der hier – in der Nähe des Schloß Hirschstein – durch eine Furt die Seite wechselt. Es handelt sich die „Hohe Strasse“, die bei Martin und Bettina quasi hinter dem Haus vorbeiführt...So klein ist die Welt! (Ein weiteres Schild berichtet vom Wendehals, der hier am Flussufer lebt; die ungefiederte Variante gilt ja mittlerweile als ausgestorben – oder?)
Nach einer landschaftlich sehr schönen Strecke mit einigen Fähren soll am Abend das „Rittergut Dröschkau „angesteuert werden.
Vor unserer Ankunft dort führt Anna einige Telefonate mit dem „Gutsherrn“, die schon neugierig auf die spätere Begegnung machen.
Der Gastgeber möchte wissen, ob wir (insbesondere Anna) Alkoholiker sind, Spinner, vegane Spinner oder „normale“ Reisende. Finden wir uns mit dem Einheitsmahl „Schnitzel“ im Rittersaal ab – oder was?! Am Ende und weil auch Hühner zum hauseigenen Tierpark gehören, gibt´s Schnitzel, Pommes und/oder Omelette im EISKALTEN Rittersaal.
Dass der riesige Raum nicht beheizt werden kann, leuchtet ein.
Dafür sind die Zimmer – allesamt kleine Tanzsäle – mollig warm und lassen keine Wünsche offen. Draußen im Park gibt es einen riesigen und uralten Ginkgobaum und Tiere vielerlei Art: Kängurus mit Babies, Lamas, Hühner und Pfauen, insgesamt ein buntes Stelldichein. Nach einem ansprechenden Frühstück setzen wir unsere Ruderreise fort.
Tag 5 Mi 22.04.26 Mühlberg – Pretin / Hirschberg
Heute lernen wir die Gierseilfähre kennen, vor der schon im Vorfeld unserer Wanderfahrt gewarnt worden war und die wir uns per graphischer Beschreibung schonmal selbst erklären sollten. Wie das mit bildlichen Darstellungen und theoretischen Erklärungen so ist, versteht man sie erst, nachdem man die Funktion praktisch erleben durfte.
Die Gierseilfähre funktioniert über ein durch gelbe Bojen gekennzeichnetes und am Ufer / Pfosten befestigtes Drahtseil, an dem der Fährmann das Fährboot mithilfe der Strömung von einer zur anderen Seite des Flusses ziehen kann. Hierfür ist es günstig, wenn die Ufer relativ dicht beieinander liegen, was bedeutet, dass es von weitem nicht unbedingt sicher erkennbar ist, an welcher Seite die Fähre liegt und welche Seite bei der Durchfahrt gemieden werden sollte, um nicht guillotiniert zu werden.
Wir haben jedenfalls die falsche Seite gewählt, können aber Gott sei Dank von einem pfiffigen und reaktionsschnellen Fährmann gerettet werden, der schnell übergesetzt hat, bevor wir zu nahekommen konnten. (Die Sage geht, die Sachsen seien alle so…!)
Unsere Mittagspause machen wir bei einem Vietnamesen am Flussufer, danach geht’s weiter Richtung Prettin. Wir sind noch nicht sehr weit gekommen, als wir durch anhaltendes Hupen aus unserem beschaulichen Schlagrhythmus gerissen werden. Auf der Steuerbordseite liegt ein großes Schiff, das uns mit aufgerissenen rot-weissen Augen anstarrt, am anderen Ufer stehen Menschen, die schreien und mit den Armen rudern, und direkt vor uns erhebt sich ein Ungeheuer aus dem Wasser. Ich weiss, es gibt keine monsterhaften Wasserschlangen in unseren Breiten, und Nessie ist eine Legende, aber ein uralter Teil meines Gehirns ist sich sicher: Jetzt werden wir verschlungen oder in die Tiefe gerissen. Das ist zuviel für mich in meiner Funktion als Steuerfrau, und ich gebe ab an alle anderen. So gelingt es uns dann, nach einem rasanten Wendemanöver in einer kleinen Sandbucht anzulanden. Bettina B. läuft zu den Menschen am Ufer, die sie darüber aufklären, dass hier ein Rohr, durch das wohl irgendwelche Leitungen durch die Elbe geführt haben, wieder rausgezogen werden soll – und das könne dauern… Na gut, wir vollführen unsere magische Handlung: Gute Laune oben unten… Man muss hier konstatieren, dass die bei Ruderern vielbeschworene stabile Rumpfmuskulatur eindeutig zu Abzügen in der tänzerischen B-Note führt. Allein Bernd dreht sich – auch mit Hilfe eines Restes des im Rittergut erstandenen Dornfelders – losgelöst und selbstvergessen wie ein Derwisch um die eigene Achse! Und dann – alles , was ich jemals Negatives über Holländer gesagt oder geschrieben haben sollte, sei hiermit gelöscht – kommt ein Motorboot mit einer Miami-Vice-artigen Bugwelle und dem passenden Namen „Bona Fide“ in unsere kleine Bucht gerauscht. Das Rohr sei jetzt so weit rausgezogen, dass wir „aber hopphopp“ durch die entstandene Lücke durch- und dann weiterfahren können! Danke! (Das war ein richtig schönes, holländisches Choppchopp !)
Am Abend kommen wir in Prettin / Hirschberg an, düsen ins Parkhotel Pretzsch und dann ganz schnell weiter in ein Ausflugshotel im Wald mit einem hohen Turm, von dessen Plattform man bereits unser nächstes Ziel, die Lutherstadt Wittenberg, erkennen kann.
Tag 6 Do 23.04.26 Pretin - Elster
Am nächsten Tag habe ich Geburtstag, und ich bekomme ein schönes Geburtstagsfrühstück mit Kerzen, Kuchen und Geschenken! Vielen Dank nochmal dafür, es war wirklich toll! Unsere Ruderfahrt führt uns zur nächsten Wohlfühloase: eine sandige Bucht, an der wir landen, um bei schmaler Fahrrinne einem angekündigten, entgegenkommenden Passagierschiff auszuweichen. Geburtstag am Strand: Sonne, Sand und nette Leute!
Nach unserer Ankunft in Elster geht’s erstmal weiter mit Urlaub, und wir machen Pause in einer Eisdiele, bevor wir in die Stadt aufbrechen und Quartier beziehen im „Brauhaus Wittenberg“ (was sonst). Abendessen gibt es beim Mexikaner „ElToro“ - passend zum Sternzeichen.
Die pfiffige Anna hat im historischen Innenhof unseres Hotels Kontakt aufgenommen mit zwei interessanten Damen und mit einer von ihnen für den Folgetag eine Stadtführung vereinbart. Was wir nicht wissen können: Es handelt sich um eine Reinkarnation von Martin Luthers Gattin Katharina von Bora , und sie wird den Damen in unserer Runde manches Lächeln und den Herren einen sehnsuchtsvollen Ausdruck ins Gesicht zaubern...
Tag 7 Fr 24.04.26 Elster - Wittenberg
Am nächsten Tag – ein kurzer Rudertag - ist es dann so weit, und uns wird, nachdem wir auf eigene Faust Schloss- und Stadtkirche besucht haben, ein persönlicher Einblick in die Reformationszeit und das Leben Martin Luthers gewährt. Eine sehr gelungene und interessante Führung. Der Tag klingt aus - der Leser mag es sich schon denken -: im Brauhaus, und wir beschliessen die schöne Wanderfahrt mit süffigem Bier aus demselben.
Am letzten Tag gibt’s dann auch eine Panne, um das Erlebte zu komplettieren. Chris, Frank und Martin machen Landdienst und haben sich angeboten, den Hänger zur Endstation unserer Ruderstrecke zu bringen. Auf der Fahrt müssen sie feststellen, dass der hintere rechte Reifen des Hängers platt ist. Die selbstständige Reparatur gelingt nicht, da kein passender Schlüssel vorhanden. Zum Glück ist wieder ein patenter und hilfsbereiter Sachse in Gestalt eines hünenhaften Autoschraubers zur Hand und unterstützt mit Werkzeug und Tatkraft, so dass am Ende ein funktionsfähiger Hänger für die Rückreise zur Verfügung steht.
Zusammenfassend hat diese Wanderfahrt wirklich vieles geboten: Sturm und Regen, Beachlife, Kultur und Geschichte, Religion und Trunkenheit, Altbewährtes und Nie Dagewesenes.
Eine zauberhafte Reise mit einer sangesfreudigen und belastbaren Truppe. Nie vergessen werden wir das Rittergut und Katharina.
Auf Sachsen, hipphipphurra! Bettina