Wanderfahrt - Fast nach Rüsselsheim

Am 12.8.2020 um ungefähr 9.00 starten wir zur ersten unserer zwei „Ersatzwanderfahrten“, die coronabedingt anstelle der Weserwanderfahrt von Siegrun und Klaus Stall in bewährt sorgfältiger und professioneller Manier vorbereitet worden sind.

Es sind dabei: Siggi, Carla, Andrea, Bettina und Martin Brüggemann in der „Elfriede Best“ und Elke, Heike, Monika, Klaus und Herbert S. im „Otto Hahn“.

Wir wollen von Hanau über Frankfurt nach Rüsselsheim fahren – eine Strecke von ca.  46 km, die angesichts der herrschenden Temperaturen eine kleine Herausforderung darstellt.  Als wir losfahren ist es noch etwas bedeckt, wir sind mit Getränken (Wasser und Seppelchen) gut versorgt, bester Laune und hochmotiviert. Dankenswerterweise sind insgesamt verhältnismäßig wenige Motorboote unterwegs. Wir haben weitgehend unsere Ruhe.

Eine erste längere Wartezeit umgehen wir durch Umtragen der Boote an der Mühlheimer Staustufe (es erwarten uns vier!).  Klappt auch mit den großen Booten wunderbar. Wir machen häufig Pausen, um uns unsere Kappen mainwassergefüllt auf den Kopf zu stülpen und auch innerlich für Feuchtigkeit zu sorgen. Der Main ist wunderschön, kleine Biotop-Inselchen mit Vögeln aller Art – Angler, Schwimmer, Vagabunden, Enten, Kormorane usw.  Ein bisschen was von dem einstmals so reich besiedelten Fluss ist noch da! Wir freuen uns immer wieder, auf diese besondere Weise die Natur erleben und geniessen zu dürfen: Sport, Natur, Kultur -  eine geniale Kombination!

Apropos Kultur: Der „Bierhannes“ erinnert uns: hier wollen wir ja auch nochmal hinrudern!!

Die Fahrt bis zum ersten Stopp Rudererdorf läuft trotz einer weiteren Schleuse flott, und wir sind rechtzeitig zum Mittagessen da.  Wichtig: Vor den vielen Standup-Paddlern einzulaufen,  um das Servicepersonal der Gastronomie vor dem Hitzekollaps noch „gebrauchen“ zu können. Klappt!

Die Weiterfahrt „durch die Innenstadt“ ist zwar optisch ein Highlight, zum Rudern allerdings sehr unangenehm. Durch die beidseitigen Spuntwände ist das Wasser kabbelig und anstrengend. Ab Schwanheim wird’s besser. Immer wieder erstaunlich sind die gänzlich anderen Eindrücke einer Landschaft vom Fluss aus, tröstlich irgendwie – weil sehr grün. Im weiteren Zeitverlauf wird uns klar, dass ein Erreichen des Ziels mit dem Beibehalten einer entspannten Schlagzahl und weiteren Landaufenthalten einschliesslich Einkehren nichts wird.  Zumal bei Griesheim eine weitere Staustufe auf uns wartet.
Hier besteht die Möglichkeit der Nutzung einer Kleinbootschleuse – da liegt auch eins: ein Kleinboot namens „Nudel“.
Man erkennt sofort, dass die Weiterfahrt flussabwärts mit großem zeitlichen Aufwand verbunden ist. Bei der „Nudel“ tut sich garnichts.  Also greifen wir wieder zur „manpower“ (Sorry,w) und tragen um. Und wie! Erstmal vorbei an Brennnesseln, Pfefferminze und Brombeerranken auf der einen und steilen Stufen auf der anderen Seite zu einer Art „Steg“ , von dem aus wir ein Boot ins Gebüsch ziehen können, um dann das andere anzulegen und zu besteigen. Ein gewisses Mass an Improvisationstalent und Abenteuerlust ist gefragt und gegeben. Ausserdem macht Carla auf die Möglichkeit aufmerksam, sich ein paar Ableger für den Gartenteich mitzunehmen. Eine wirkliche Versuchung!  
Wir fahren zügig weiter, der Himmel trübt sich ein, und Sturmböen erschweren die Fahrt, in Flussmitte  erleben wir sogar richtige Dünung. Fast Off-shore-rowing! Der damit verbundene Zeitaufwand zusammen mit Donnergrollen in der Ferne erfordern eine vorzeitige Beendigung der Fahrt mit nur noch 2 km, die uns vom Ziel trennen.
Eine bittere, aber „vernünftige“ Pille! Wir legen an am Flörsheimer Ruderclub und erfahren spontane Hilfestellung durch Umzieh- und Toilettenmöglichkeit und den Transport zum Hänger im zwei Kilometer entfernten Rüsselsheim. Danke und ein dreifaches Hipp-Hipp-Hurra!   Die Fahrt war super, die ganze Truppe auch!  Für alle, die eine Kombination von „Camel-Trophy“,  Naturbeobachtung,  Rudern und Comedy suchen, wärmste Empfehlungen für die Wanderfahrt im nächsten Jahr (Weser)!

Aber jetzt geht’s ja erstmal nach Seligenstadt. Wir freuen uns drauf!

Bettina Gerner