Französische Freunde aus Tours zu Besuch an der RG

(02.-06.10.2019) Am Mittwoch Abend kommen unsere französischen Freunde nach einer anstrengenden Reise in Hanau an, und wir treffen uns zur Begrüßung in der Clubgaststätte. Leider können Christine und Francois krankheitsbedingt nicht dabeisein. Neu in der Runde sind der sympathische Dominique, der im Vorjahr auch mit am Lac d'Eguson gerudert ist und der Held der Ruderlangstrecke: Yves!Und natürlich Dany und Thierry!  Von uns sind Hans Driedger, Heike Marquardt, Elke Vincent, Andrea Dentler, Herbert Diehl und Herbert Deckenbach, Hermann Priester, Martin Brüggemann und Bettina Gerner gekommen.

Da die vier von der langen Fahrt ziemlich müde sind und wir ja auch am Folgetag nach Seligenstadt rudern wollen, machen wir zeitig Feierabend. „Die Franzosen“ werden in ihr Domizil „Hotel Menges“ gebracht, und wir hoffen auf eine Aufhellung der Wetterlage, damit unser Ruderausflug nicht ins Wasser fällt.

Am „Tag der Deutschen Einheit“ finden wir uns zeitig am Bootshaus ein, Hermann teilt die Besatzungen den jeweiligen Booten zu: Ein Achter und ein Sechser werden besetzt mit Torsten, Thierry, Dany,Bettina,Dominique,Yves,Martin, Herbert Diehl, Steuermann Hermann Priester im Wechsel mit Herbert Diehl im „Schneemann“ und Stefan, Carla, Herbert Deckenbach, Andrea, Bernd und Hans mit Steuermann Dieter in der „Mollebusch“. Die Möglichkeit einer demokratischen Bootswahl wird verworfen, Auswahlkriterium ist vor allem Stimmlage und Sangeslust. Die Fahrt verläuft zügig und weitgehend trocken, „Die Franzosen“ lernen zwei deutsche Worte (Schleuse und Schleuser), dass man nach dem Durchfahren „Hipp-Hipp-Hurra“ schreit und dass man sich die Zeit in der Schleuse am besten mit Singen vertreibt.
Nach gekonntem Einfahren und gelungenem Anlegen der Langboote im Segelclub werden wir von der Clubjugend mit Getränken und von Monika und Dieter König mit leckeren Salaten und Leberkäse bewirtet. Auf Danys Frage, ob denn die jungen Herren auch Französisch sprechen und warum nicht, heißt es: „wir sind Lateiner!“ Dies sollte im Wesentlichen Thema des interkulturellen Austauschs bleiben: Lateiner/Römer! Dass die Kenntnisse bezüglich verschiedener Biersorten und der dazu passenden Gläser gewisse Lücken aufweisen, tut nichts zur Sache, da das sowieso kein „Franzose“ merkt… Wir rudern gut gelaunt zurück und werden nur ein kleines bisschen nass!

Den Abend verbringen wir in der dritten Bootshalle an einer vor allem von Bärbel zauberhaft herbstlich geschmückten Tafel. Man kann angesichts der persönlich zubereiteten kulinarischen Fülle nicht von einem typisch teutonischen Abendbrottisch sprechen: es gibt Suppen, Salate, Gulasch, pikante und süsse Kuchen, Käse (auch Handkäs), Dipps und Nachtisch. Ausserdem allerlei Getränke, von Äppler bis Rotwein und natürlich Bier!!!! Außer den Gerudert-Habenden sind auch viele andere RGler gekommen, und wir verbringen einen gemütlichen und kurzweiligen Abend.

Am nächsten Morgen machen sich drei Autos auf den Weg zur Saalburg. In einem sitzen Hermann, Thierry, Yves und Dominique, im anderen Andrea, Elke und Herbert Deckenbach und im dritten Herbert Diehl, Dany, Martin und Bettina. Es regnet nicht nur, es ist auch kalt und so neblig, dass wir heilfroh sind, für diesen Tag Sightseeing und Kultur geplant zu haben. An der Saalburg selbst hat man das Gefühl, durch die Wolken hindurchzulaufen, so diesig und nass ist es. Die Ausstellung ist umfangreich und faszinierend – vor allem das Römische Handwerkszeug lässt uns staunen, ist es doch den aus dem Mittelalter bekannten – und sogar unseren heutigen - Geräten sehr ähnlich.  Auch der Schmuck und nicht zuletzt die (Fäkal-)Thronausstellung begeistern. Man könnte ohne Weiteres den ganzen Tag durch das Ausstellungsgelände laufen, ohne sich zu langweilen. Aber wir wollen ja noch nach Frankfurt. Wir nehmen in der „Taberna“ des Museums ein Mittagessen ein, das vor allem dadurch zufriedenstellt, dass es in einem warmen und geschlossenen Raum stattfindet und wir sowieso gute Laune haben. Die Verwendung der Gewürze in einer „typisch-römischen Mahlzeit“ sollte überdacht werden.  Wir singen vorsichtshalber nicht!

In Frankfurt am Café Metropole warten schon Jürgen Senge und Heike Marquardt auf uns. Jürgen hat einen interessanten Vortrag über Frankfurt und „die Franzosen“ vorbereitet, einen historischen Abriss von „Charlemagne“ bis zum Zweiten Weltkrieg. Heike übersetzt tapfer! Im Anschluss daran begeben wir uns zum – und in den - Dom.   Wie so oft wird klar, dass man doch viele interessante Details und Besonderheiten der eigenen Heimat erst dann ins Auge fasst, wenn man sich für Gäste vorbereitet. Auch wenn der Dom keine kirchenbauliche Sensation darstellt, war er doch seit dem siebten Jahrhundert Krönungsort der römisch-deutschen Kaiser und weist einige historisch interessante Fakten auf.  Nachdem wir uns auf die Kaiserkrönung eingestimmt haben, durchqueren wir die „Neue Altstadt“ und laufen entlang des Krönungswegs zum Römer. Die viel diskutierte Mischung von Alt und Neu der Altstadt mit ihrem noch etwas künstlich wirkenden Flair findet Interesse und Gefallen unserer französischen Freunde.  Vom Römer aus gehen wir gemeinsam zur Paulskirche, dem Symbol für Demokratie und Freiheit in Frankfurt, und trennen uns dort, um wahlweise zu shoppen oder Kaffee zu trinken. Danke, lieber Jürgen, für die interessanten Informationen und Deinen tollen Vortrag!

Da es noch immer in Strömen regnet, ist ein Schaufensterbummel keine Option. Nach einem Besuch im Obergeschoss des Kaufhof mit Blick von der Dachterrasse (statt Maintower) verschwinden Dany, Thierry, Dominique und Yves mit Hermann im „Lohrey“, wir anderen lassen uns Kaffee und Kuchen schmecken und stromern anschließend durch die Kaufhof-Haushaltsabteilung!  Das Abendessen wird im „Paulaner am Dom“ eingenommen, die Atmosphäre ist bierselig-gemütlich, die Stimmung anhaltend gut. Wir essen unsere Teller leer und hoffen auf einen wenigstens trockenen Folgetag, an dem wir nach Frankfurt rudern wollen!

Am Samstag geht es gegen halb zehn los. Zusätzlich zum „harten Kern“ rudern Carla, Lars und Anton mit.  Wir teilen uns auf drei Vierer – Elfriede Best, Otto Hahn und Toni Wehner – auf.  Thierry wünscht sich Dany in sein Boot, die beiden rudern mit Herbert Deckenbach und Dieter König in der „Otto Hahn“ vorneweg, in der „Toni Wehner“ sitzt Anton auf Schlag, des Weiteren  Andrea, Carla und Lars, gesteuert von Herbert Diehl;  in der „Elfriede Best“ steuert Hermann mit Yves auf Schlag, davor Bettina, dann Dominique und Martin. Das Wetter ist frisch, aber trocken.  Auf dem Weg zur Schleuse wird die flotte Fahrt der „Elfriede Best“ durch den Verlust der Vereinsfahne gestoppt, zu allem Unglück kommt auch noch ein Frachtschiff vorbei und fährt direkt drüber. Wir befürchten, die Fahne nie wiederzusehen….  wenden aber trotzdem: Und da schwimmt sie unversehrt! Da auch Martins handwerklich versierte Versuche, sie im Bootsheck festzuklopfen, offensichtlich vergebens waren, fahren wir fahnenlos weiter.  Yves hat einen „Mords-Schlag“ und ein geradezu zeitlupenartiges Rollen!   Es macht richtig Spaß, ihm nachzueifern.

Schleuse/Schleuser, und weiter geht´s in zügiger Fahrt. Der Main ist wenn man drin ist erstaunlich „kurvig“, die Strecke, die man sonst eher von der Bundesstraße aus kennt, aus einer anderen Perspektive zu sehen, ist interessant. In Frankfurt Ost angekommen, wird spontan beschlossen, noch bis zum Eisernen Steg zu fahren und auch vom Wasser aus nochmal die Nikolaikirche zu sehen, von deren Turm aus früher ein Trompeter einfahrende Schiffe ankündigte. Die Skyline ist natürlich beeindruckend, aber wir sind froh über unser ruhiges und schönes Ruderrevier zuhause!

Eingekehrt wird im „Achter“ der Frankfurter-84er im Rudererdorf. Wir riggern die Boote ab und können sie und uns dank des freundlichen Abholservice von Ernst, Berthold, Werner, Heike und Bärbel per Anhänger/Auto nach Hause bringen lassen. Der „Achter“ ist gemütlich und das Essen lecker und reichhaltig, eine richtig schöne Rudererkneipe.

Nur nicht zu lange essen und trinken, die nächste Attraktion wartet schon: eine Besichtigung der Glaab-Brauerei in Seligenstadt. Nach einer kurzen Duschpause fahren wir dorthin und werden nicht wie erwartet von der Chefin französischer Herkunft begrüßt, mit der Hermann telefoniert und uns avisiert hatte (interessante Persönlichkeit, Führung auf Französisch, sehr gute Sachkenntnisse) , sondern von einer Art hessischem Cowgirl mit ausbaufähiger Rhetorik und Eloquenz.

Nachdem wir Historisches über die Brauerei erfahren haben, schlendern wir in den Bierkeller mit seinen großen Tanks: Hier geht es los!  Herbert Deckenbach hat als Einziger den Ernst der Lage erfasst und macht erstmal sein Glas (jeder erhält eins als Gastgeschenk) voll!  Das Bier ist kühl und süffig, lecker! Aber jetzt gibts erst noch einen – trockenen - Vortrag übers Brauen, und dann gehts in den Schalander.  Hier freuen wir uns auf weiteres Bier und die angekündigten frischen Brezeln.  Bier und Brezeln lassen allerdings hinsichtlich Geschmack und Qualität zu wünschen übrig, die Brezeln könnte man vielleicht gebündelt als Fender verwenden, vom Bier – obwohl in einer übersichtlichen Anzahl kleiner Flaschen angeboten – bleibt noch was übrig. Trotzdem ist die Stimmung gut.

Die französische Chefin kriegt keinen französischen Champagner, weil sie ja nicht da war, stattdessen werden Monika König und Martin Brüggemann damit für ihre Verdienste geehrt!

Hermann hält eine kleine anrührende Rede über Freundschaft und Tradition, und es ist zu spüren, wie wichtig ihm die Fortsetzung der mittlerweile gewachsenen französisch-deutschen Beziehung ist. Wir alle hoffen, dass wir weitere schöne gemeinsame Begegnungen haben werden und dass auch diese gemeinsame Zeit ein Beitrag zur Festigung unserer Freundschaft sein wird!

Vielleicht bekommen ja noch mehr und auch jugendliche Mitruderer Lust auf einen interkulturellen Austausch, sportlich und darüber hinaus!

Das abschließende Abendessen nehmen wir im „Grünen Baum“ in Klein Auheim“ ein. Der Abschied naht und somit das Ende einer schönen und intensiven gemeinsamen Zeit mit Sonnenschein, Regen und Nebel, Herzenswärme und erfrischendem Humor. Wir sind ein bisschen traurig, aber wir freuen uns auch auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Auf dass es gelingen möge!
Bettina Gerner