Stiftungsfest 2019

Für das Stiftungsfest zum 140. Geburtstag gab es am Bootshaus einen großen Bahnhof.

Der Landtagsabgeordnete Heiko Kasseckert, Vertreter des DRV, des HRV, der Stadt Hanau, des Sportkreises des MKK, der Sparkassen-Sportstiftung, der Sparkasse und des Nachbarvereins Hassia waren Ehrengäste zur Feier. Die traditionelle Bootstaufe stand am Anfang der Veranstaltung. Iin diesem Jahr wurde ein Kinder-Einer auf den Namen Kolibri von Jürgen May (Kuratoriumsmitglied der Sparkassen-Sportstiftung) und ein Kinderdoppelzweier auf den Namen unsinkbar von Inge Trott getauft. Launig berichtete der Sportvorsitzende Bertold Ocker, dass es sich bei dem Doppelzweier um eine Ersatzbeschaffung handelt, da das Vorgängerboot leider irreparable Landberührung hatte. Der Name wurde als ein gutes Omen für die weitere Lebensdauer des Bootes ausgewählt. Nach dem Einfahren der Boote ging es auf die Terrasse des Bootshauses, wo die Feierlichkeiten zum 140. Geburtstag und die Ehrungen erfolgten.

Berthold Ocker ließ die vergangenen 140 Jahre der Hanauer Rudergesellschaft passieren, er versetzte die Gäste zurück in das Jahr 1879:

Am 8. Juni 1879 wurde die Hanauer Rudergesellschaft von 20 ruderbegeisterten Hanauern im Gasthaus „Zur Post“ als erster Ruderverein Hanaus gegründet. Das 19. Jahrhundert war die Zeit,, der ersten Sportvereine für und durch die Turner. Hanau hatte damals 20.000 Einwohner und war geprägt von der Goldschmiedekunst. Es gab noch keinen Fußball, keine Radfahrer, keine Autos, kein Tennis, keine Flugzeuge. Kesselstadt war noch nicht eingemeindet, der Weg nach Wilhelmsbad noch nicht ausgebaut und das gesamte Lamboygebiet noch nicht erschlossen. Der Weg in den Lambewald war noch sehr weit, dafür die Feste umso schöner. Das erste Boot (ein gebrauchtes) wurde von der Offenbacher RG Undine erworben.Da die die Mitgliedsbeiträge für die Beschaffung weiterer Boote nicht ausreichten, veranstalteten die 79er Schwarz-weiße Bälle, Abendunterhaltungen und Strandfeste. Mit dem noch heute stattfinden Blau-Weiß-Ball wurde eine Tradition bewahrt. Im Jahr 1883 wurde der Deutsche Ruderverband gegründet, unter den 43 Gründervereinen war auch die Hanauer Rudergesellschaft. Ocker blickte launig auf die Verbindung zwischen HRG und dem Nachbarverein Hassia zurück. Ernst wurde es, als er kurz auf die verschiedenen politischen Systeme schaute, die die 79er erlebt haben. Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und wiedervereinigtes Deutschland ließ er passieren. Die einschneidenden Ereignisse waren die beiden Weltkriege, in denen auch viele Ruderer ihr Leben ließen. Das Vereinsleben litt in diesen schweren Zeiten sehr stark. Emotional schilderte er die Zerstörung des Bootshauses am 20. März 1945, einen Tag nach der verheerenden Zerstörung durch Hanau und zog Parallelen zu der derzeitigen Situation der Menschen im Kriegsgebiet Syrien und stellte die Wichtigkeit eines gemeinsamen und friedlichen Europas heraus. Im Folgenden hob Ocker den hohen Stellenwert des Sports im Land Hessen sowie in der Stadt Hanau hervor. Er dankte ausdrücklich der Sparkassensportstiftung für die Förderung der Sportlerinnen und Sportler, dem Land, der Stadt Hanau für Fördermittel, die dem Verein zur Verfügung gestellt werden. Auch den engagierten Einsatz der Sparkasse für Vereine lobte er. „Sport ist Förderung der Gesundheit, unser Verein gibt der Jugend Werte, die sie ihr Leben lang nutzen können, wir helfen bei der richtigen Verdrahtung der Synapsen in dem Lebensalter, in dem die Hormone verrücktspielen, sind auch manchmal eine erfolgreiche Partnervermittlung und lösen Probleme in allen Lebenslagen.“ So der Sportvorsitzende augenzwinkernd. Bei seinem Blick in die Zukunft stellte er die derzeitige Situation im Verein ohne Vorsitzenden dar, stellte jedoch fest: „Aber wir sind eigentlich ein gesunder Verein mit vielen Aktivitäten und dazugehörigen Ausschüssen. Diejenigen die in Verantwortung stehen benötigen Unterstützung, denn wir leben in einer anderen Zeit als noch vor 20, 30 Jahren, und manches, was zu dieser Zeit möglich war, geht heute einfach nicht mehr. Aber um die Zukunft ist mir nicht bang".Ocker führte weiter aus, dass sich die HRG sowohl dem Leistungssport als auch dem Breitensport verpflichtet fühlt, was dadurch höhere Anforderungen an den Bootspark stellt."Besonders wichtig ist uns in der modernen HRG die Zusammenarbeit mit den Schulen. Aber wir sind auch stolz auf die über 100-jährige Zusammenarbeit mit der HOLA".

Nach diesem kurzweiligen Abriss erfolgten die Ehrungen der langjährigen Vereinsmitglieder.

Für 25jahren Vereinszugehörigkeit wurden Katrin Fischer und Nico Becke in Abwesenheit mit der silbernen Vereinsnadel geehrt. Die goldenen Vereinsnadel für 40 Jahre Vereinstreue erhielt Ute Jung von Hermann Priester, der ihre aktive Mitgliedschaft in den 1980er Jahren hervorhob.

Für die 50jährige Mitgliedschaft im DRV wurden Stefan Lotz, Hanna-Maria Rybka, Günther Görge, Werner Fochtmann, Horst Aussenhof und Helmut Noll geehrt.
„Stefan Lotz war über Jahre hinweg ein hervorragender Pressemann an meiner Seite, der immer fachkundig und kompetent die RG nach Außen darstellte,“ so der Ehrenvorsitzende Hermann Priester in seiner Ehrung über den abwesenden Stefan Lotz. Hanna-Maria Rybka als ältestes Vereinsmitglied wurde ebenfalls von Hermann Priester in Abwesenheit geehrt.
„Günther Görge und Werner Fochtmann haben als Duo im Zweier ohne in den Jahren 1974 und 1975 die ersten Goldmedaillen für die 79er auf Weltmeisterschaften errudert,“ bilanzierte Berthold Ocker die Erfolge des erfolgreichen Zweiers, die leider nicht teilnehmen konnten.
Horst Aussenhof gehörte auch zu dieser Rudergeneration, war leider nicht so erfolgreich wie seine beiden Vereinskollegen. Horst ist uns allerdings ein wertvolles Mitglied, da er viel für die RG leistet. Sein persönliches Engagement ist, trotz vieler weiterer Interessen, hervorragend. Durch seine Verbindung zur Gundermannstiftung, die er mittlerweile leitet, wurde die RG in ihrer Jugendarbeit mit finanziellen Mitteln für mehrere Boote unterstützt. Auch er musste leider die Ehrung kurzfristig absagen.
Hermann Priester übernahm die Ehrung von Helmut Noll, der ihn und damit alle 79er jahrelang in den verschiedensten Positionen in der Vorstandsarbeit unterstütze. Er hob Helmuts unermüdliche und immer korrekte Mitarbeit heraus.

Für ihre 60jährige Mitgliedschaft wurden Ernst-Frieder Beilstein und Jürgen Reuling mit der goldenen Nadel mit Brillanten geehrt. Hermann Priester hob in seiner Ehrung das ganz besondere, bis in die heutige Zeit dauernde Engagement für die 79er von Ernst-Frieder Beilstein heraus. Immer humorvoll und immer unterstützend ist er eine Säule des Vereins. Auch Martin Brüggemann dankte Ernst-Frieder Beilstein für die Unterstützung beim Einstieg ins Rudern, um an der Aktion "Rudern gegen Krebs" teilzunehmen.
Auch Jürgen Reuling wurde von Hermann Priester für seine langjährige Vereinstreue geehrt. Hermann Priester bedankte sich; dass er dem Verein so lange Jahre als passives Mitglied unterstützt hat.

Nach einer kurzen Pause kam der Höhepunkt der Ehrungen, die 75jährige Mitgliedschaft im DRV vom Ehrenvorsitzenden Henrik Lotz.

Hermann Priester stellte seinen Lebenslauf und sein Wirken für die 79er ausführlich dar. Begonnen hat Henrik Lotz im Vorstand Jugendleiter, Sportleiter und Trainer. Schnell wurde er jedoch zum Vorsitzenden und prägte den Verein seit dieser Zeit. Mit seinem ausgeprägten Führungssinn, den er auch beruflich bei Dunlop einsetzte, war er immer wieder unterwegs den Verein den neuen Zeiten anzupassen und modern zu gestalten. So war es Henrik Lotz, der die Satzung und die Gestalt des Vorstandes so anlegte, wie sie auch heute noch gültig ist. Den Verein führte er immer kompromissbereit, kämpfte hart aber für gute Ergebnisse.
Besonders für die Geschichte der RG hob Hermann Priester noch vor, dass Henrik Lotz zu den Gründungsmitgliedern der Sportstiftung und des Vereins der Freunde und Förderer der Hohen Landesschule war.

Seine Verdienste für den Deutschen Ruderverein stellten Hermann Priester, Eberhart Wühle und Manfred Ganzer heraus. In 1972 war er Pressesprecher bei den olympischen Spielen in München, im Jahr 1972 holte Henrik Lotz den Rudertag nach Hanau und 1979 den Tag des Rudersports. Beides herausragende Werbung für den Rudersport in der Godschmiedestadt.1983 wurde Henrik Lotz Vorsitzender des DRV und verantwortete die Weltmeisterschaft in Duisburg. Die Wiedervereinigung mit dem DDR-Ruderverband war eine der größten Aufgaben als DRV Präsident. Diese meisterte er unaufgeregt in seiner unnachahmlichen pragmatischen Art und Weise.

Nach dem Überreichen der Ehrennadel wurde die original Ulrich-Chronik von Henrik Lotz an die Stadt Hanau übergeben. Georg Ulrich hat über 65 Jahre die Hanauer Rudergeschichte handschriftlich festgehalten. Diese in Sütterlinschrift verfassten Texte wurden von Henrik Lotz und Linda Lohfink in Druckschrift übertragen. Aus Anlass des 140jährigen Geburtstags wurden die Chroniken von Hartmut Kitz aufgelegt und als Buch herausgebracht.

Die Reden werden im Langtext im Nachgang noch veröffentlicht

Bilder der Bootstaufe:

Bilder der Ehrungen