DJM Essen 2010


DJM Essen: Sieben Medaillen auf einen Streich

 

Zwei Mal Gold, drei Mal Silber und zwei Mal Bronze: Die HRG trumpfte am letzten Juni-Wochenende bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften U23/U19/U17 auf dem Baldeneysee in Essen groß auf und verbuchte mit sieben Medaillen einen der größten nationalen Erfolge ihrer Vereinsgeschichte. In allen Altersklassen schafften es die Teams im blau-weißen Trikot aufs Treppchen. Siegreich waren Lisa Kemmerer im Frauen-Achter (U23) und Clara Bergau im Leichtgewichts-Einer (U17). Der Erfolg hat Konsequenzen: Die HRG wird vom 22. bis 25. Juli in Brest (Weißrussland) und vom 5. bis 8. August in Racice (Tschechien) gleich auf zwei WM-Hochzeiten tanzen. Kemmerer wurde ins U-23-Nationalteam des Deutschen Ruderverbandes (DRV) berufen. Markus Brich geht bei den Titelkämpfen der U-19-Junioren in Tschechien an den Start. Bereits in ihrem ersten Wettkampfjahr nach der Juniorenklasse hat auch Elisabeth Lotz noch WM-Chancen. Sie fährt ebenso wie Vereinskameradin Kemmerer zur endgültigen WM-Selektion des DRV in dieser Woche in Ratzeburg. Dort geht es um die letzten freien Plätze im U-23-Team.

 

HRG-Vorsitzender Frank Arnold begrüßte die erfolgreichste Hanauer Mannschaft der diesjährigen nationalen Meisterschaften auf der Bootshausterrasse mit blau-weißem Blumenschmuck und Sekt. In Feierlaune konnte Arnold den spontan zum Empfang geeilten Mitgliedern offiziell die Top-Nachricht des Tages übermitteln: Zwei HRG-Athleten haben ihr Ticket für die Weltmeisterschaften in der Tasche. „Auch Elisabeth Lotz hat sich noch ein WM-Türchen offengehalten“, freute sich Arnold. Zuletzt hatten Kemmerer und Lotz im Jahr 2008 den Sprung zur Junioren-WM geschafft.

 

Sieben nationale Meisterschaftsmedaillen auf einen Streich: In dieser geballten Form gab es das im Lager der HRG lange nicht mehr. Bei älteren Mitgliedern wurden am Wochenende Erinnerungen an die Ära der Hanauer Rudervereinigung Mittelmain (RVM) wach, unter deren Flagge Mitte der Siebziger Jahre alle drei Hanauer Rudervereine und der Nachbarverein aus Mühlheim grandiose Erfolge feierte. Genau vor vier Jahren an gleicher Stelle holte Marc Schikora im Junior-B-Achter den letzten Meistertitel für die HRG.

 

Den Beginn des Medaillenregens 2010 löste Lisa Kemmerer mit ihrer Essener Partnerin Ronja Schütte aus. Das Duo wiederholte seinen Erfolg vom Vorjahr und holte auf dem Baldeneysee Bronze im Frauenzweier ohne (U23). Bis zur 1.500-Meter-Marke sah es noch nach einem Kampf um Gold aus. Doch Nadja Drygalla und Anne-Sophie Agarius (Rostock/Schwerin) waren an diesem Tag einfach zu stark. Mit der schnellsten Zwischenzeit im Schlussviertel schnappten Anne Becker und Michaela Schmidt (Halle) der Renngemeinschaft Hanau/Essen auch noch die sicher geglaubte Silbermedaille weg.

 

In einem Herzschlagfinale erkämpften wenige Stunden später Elisabeth Lotz und ihre Viererpartnerinnen Navina Passmann, Lea Piepenbrink und Lea-Katleen Kühne (Renngemeinschaft Essen/Würzburg/Mainz) auf den letzten Metern Edelmetall: Bis 1.500 Meter lag die Crew noch eine Sekunde hinter dem Bronzerang. Doch mit einem fantastischen Endspurt und der zweitschnellsten Zeit aller sechs Boote auf den letzten 500 Metern schaffte es das zweitjüngste Team aufs Treppchen. Verdrängt wurde das Boot aus Krefeld/München/Magdeburg mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,22 Sekunden.

 

Im vorletzten Rennen der U-23-Meisterschaft holte Lisa Kemmerer mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg im Frauen-Achter die Krone der nationalen Titelkämpfe. Mehr als sieben Sekunden lag die Renngemeinschaft Olympischer RC Rostock/Schweriner RG/Essen-Werdener RC/Hanauer RG/Potsdamer RG/Mainzer RV/RV Esslingen/RK am Baldeneysee mit Ronja Schütte, Lisa Kemmerer, Anne Kliesch, Mandy Reppner, Anne-Sophie Agarius, Nadja Drygalla, Sandra Luptowitsch, Klara Karches und Steuerfrau Schiwa Omidi vor der Konkurrenz. Auf Platz drei folgte abgeschlagen die Auswahl mit Elisabeth Lotz. Zusammengesetzt war das Boot mit den Teamkolleginnen Lea Piepenbrink, Claudia Helmholz, Kathrin Marchand, Cathrin Crämer, Johanna te Neues, Navina Passmann, Johanna Brast und Steuerfrau Sophie Steinle (RC Magdeburg im SC Magdeburg/ARC Würzburg/Essen-Werdener RC/RTHC Bayer Leverkusen Ra/Crefelder RC/UlmerRC Donau/Lübecker FRG.

 

Am zweiten Tag der Jahrgangsmeisterschaften sorgte Markus Brich für einen morgendlichen Paukenschlag bei den U-19-Junioren: Mit seinen Bootskameraden Maximilian Fay, Robin Koßler, Georg Tully und Steuermann Niels Perdijk (Offenbacher RG Undine/Schweinfurter RC Franken/Würzburger RV Bayern) erkämpfte er in einem spannenden Finish die Vize-Meisterschaft im Junior-Vierer mit Steuermann. Die Renngemeinschaft arbeitete sich nach einem schwachen Start Meter um Meter nach vorne. Platz fünf, vier, drei, zwei – so lautete die Position im Rennverlauf. Die Crew legte den schnellsten Schlussspurt hin und kratzte sogar mit knapp 1,4 Sekunden Rückstand an Gold.

 

Nach diesem Highlight nahm Clara Bergau in der glühenden Mittagssonne im Leichtgewichts-Einer (U17) den Kampf um Gold auf. Vom Start weg kontrollierte die in dieser Bootsklasse ungeschlagene HRG-Skullerin ihre Gegnerinnen, von denen lediglich Anne Beenken (Olympische Rennrudergemeinschaft Südwest) mithalten konnte und den Abstand im Ziel auf knapp eine Sekunde verkürzte. Britta Marquardt als zweite HRG-Ruderin im Finallauf kam auf den undankbaren vierten Platz, nachdem sie noch bis zur 1.000-Meter-Marke in sechster Position gelegen hatte. Die Aufholjagd mit zweitschnellster Schlusszeit wurde nicht belohnt. 2,5 Sekunden fehlten zum Medaillenrang. Insgesamt 22 Boote hatten gemeldet. Bergau hatt zum Auftakt sowohl den Vorlauf als auch das Halbfinale gewonnen. Marquardt wurde in ihrem Vorlauf Zweite, gewann unangefochten den Hoffnungslauf und fuhr im Halbfinale wieder auf Rang zwei.

 

Clara Bergau und Britta Marquardt schlugen daraufhin auch im Leichtgewichts-Doppelvierer der A-Juniorinnen (U19) einen Medaillenkurs ein, nachdem der Vorlauf locker gewonnen werden konnte. Mit ihren Partnerinnen Mia Meyer und Lisa Heider vom Kölner RV und dem Allgemeinen Alster-Club/Norddeutscher Ruderer-Bund mussten sie nur zur Streckenhälfte an dritter Position liegend ein paar Meter abgeben. Danach lief es aber auf dem Weg zu Silber wieder rund, und die U-17-Juniorinnen zeigten den Älteren mit tollen Zwischenzeiten und dem rasantesten Endspurt, dass sie sich in der höheren Altersklasse nicht zu verstecken brauchen. Ungefährdet ging der Sieg an die Renngemeinschaft Hamburger Ruderinnen-Club/Lübecker FRG/RV Waltrop/Essen-Werdener RC. Dieses Boot mischte tags zuvor auch bei den „Großen“ mit und holte eine U-23-Medaille.

 

Die siebte und letzte Medaille für die HRG hielt dann Markus Brich in der Königsklasse der Ruderer zum Abschluss der Jahrgangsmeisterschaften auf dem Essener Baldeneysee in den Händen. Die Renngemeinschaft Offenbacher RG Undine/RC Nürtingen/RG Speyer/Hanauer RG/Schweinfurter RC Franken/Ulmer RC Donau mit Maximilian Fay, Robin Koßler, Henry Gieseler, Michael Kreisel, Lars Bergström, Tim Lauer, Markus Brich, Georg Tully und Steuerfrau Inga Thöne machte es im Junior-Achter (U19) äußerst spannend. Rang drei bei 500 Metern, Platz zwei in der Streckenmitte, Bronzerang an der 1.500-Meter-Marke. Nicht mehr einzuholen war die Renngemeinschaft Plaue/Eutin/Schleswig/Potsdam/Ratzeburg/Frankfurt/Lübeck/Brandenburg. Doch dann zündete das Südteam mit Markus Brich den Turbo und holte auf den letzten Metern noch zwei Sekunden heraus, die Bronze in Silber verwandelten.

 

Morris Schäfer und sein Partner Dominik Thierbach (Frankfurter RG Germania) schieden im Leichtgewichts-Doppelzweier (U17) nach Platz sechs im Vorlauf und Position fünf im Hoffnungslauf aus. Knapp 18 Sekunden trennte das Team vom rettenden zweiten Platz, der einen Startplatz im Halbfinale der Leichtgewichts-Doppelzweier (U17) bedeutet hätte. 19 Boote hatten gemeldet.

 

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