Passiert - glossiert
Dienstag, 24.06.2008 - ein ganz normaler Rudertag
Der Siebenundzwanzigste
Dezember im Jahre 2008
Es war einmal . . . ein Ruderverein,
in der Märchenstadt am Untermain -
hinterm Deich und nah zum Fluss,
landschaftlich ein Hochgenuss.
„HRG von 1879“ wird er genannt,
auch für Wanderfahrten gut bekannt –
dafür sorgt der „Trupp der Alten“
auf allen Wassern gibt` s kein Halten.
Moofree war` s mit der Idee:
„Rudern auch bei Eis und Schnee“ -
und zwar am dritten Feiertag:
„Rudern bis nach Seligenstadt!“
Aufgenommen wurd` der Gedanke:
Raus aus der Familienbande -
weg von der Bequemlichkeit,
gerade jetzt zur Weihnachtszeit.
Seit Jahren rudern einmal jährlich,
für die „Wanderfahrer“ unentbehrlich,
ein großer Kreis der „Alten Herren“ -
stromaufwärts - um dann einzukehren!
Morgens früh um halbe zehn,
musste da am Bootssteg steh` n -
egal, ob` s regnet oder schneit -
oder gar die Sonne scheint -
egal, ob` s windig oder kalt,
warme Sachen brauchste halt.
Das ist `ne Zeit noch vor dem wecken,
wenn andere sich im Bett noch strecken -
am dritten Feiertag, zwischen dem Jahr,
schon zum sechsundzwanzigsten Mal!
Für viele Ruderrentner ist das nichts -
der sitzt daheim am gedeckten Frühstückstisch,
liest die Zeitung, genießt den Kaffee:
„Ach, wie ist das “Rentnern“ schee!“
Er sieht hinaus ins kalte Grau -
sagt dann zu seiner liebend Frau:
„Die rudern heut bei diesem Wetter -
ist unser Part da nicht viel besser!?!“
Sagt` s und blättert im TV-Programm:
„Was ist denn heut so alles dran ?-
Vom Rückblick auf das letzte Jahr,
bis zum Horoskop für` s Neue Jahr!“
Es gibt `ne Gruppe Unentwegter,
die rudern – egal bei welchem Wetter!
Dabei hängt` s allein von diesem ab,
wie wir kommen nach Seligenstadt.
Doch die wirklich harten Burschen sind zu sehn,
wenn sie endlich dann um halbe zehn,
frierend vor der Halle steh` n:
„Welche Boote können wir neh` m??“
„Hat schon einer durchgezählt,
wie viel wir jetzt geworden sind?“,
Schmitti fragt` s und friert ersichtlich,
doch die Antwort ist sehr wichtig:
„Hier stehn vier - in der Hall sind drei -
wir drei sind beim Rudern nicht dabei -
EG und Bernd tragen schon die Skulls hinaus –„
da kommt Manfred grad zur Tür heraus,
„sag, wie sieht`s denn oben aus?“
„Keine Ahnung, weiß ich nicht -
wer sich da oben noch umzicht!“
Manfred brummt` s in seinen Bart -
Johann und Klaus erscheinen grad.
„Ihr seid zwölf!“ – ruft jetzt der Frieder
„nehmt die Mollebusch und Pontresina!“
Einer wartet auf den andern:
„ . . .woll` n wir nicht lieber auch zum Wandern?“
Beim Lutz sich das Gewissen zaghaft rührt:
ein Grad Minus, aber fünfe sind` s gefühlt!
Dieter, unser Fahrtenleiter,
denkt an vieles und noch weiter,
hat vorgesorgt für diese kalten Grade,
zieht ` ne Flasche Korn aus seiner Jackenfalte.
Gießt mit erwartungsfroher Geste
voll das Glas, dann das nächste:
Hochprozentig Flüssigkeit,
damit der Blutdruck etwas steigt!
Alle haben sich bemüht,
sich extra warm und dicht verhüllt -
dem Weihnachtsmotto auch gerecht,
Weihnachtszipfelmützen aufgesetzt.
Die „Schachtel“ hastet über` n Steg:
„Es müssen Fahnen in das Heck –
dann fahren wir – ist` s nicht schlau,
als Wanderfahrt vom DRV!“
Am Bootshaus ist auch der Treff,
für` s Fußvolk, das nicht rudern möcht` -
die aus verschiedensten Gründen,
derzeit am Rudern nicht viel finden.
Diese kleine Gruppe - etwas schlauer,
fahr` n mit dem Auto zu Hainstadt` s Schleuse -
wandern ab der Schleusenmauer,
nach Seligenstadt zum „Römer Kaiser“ !
Endlich – beide Boote sind soweit,
liegen am Steg – einstiegsbereit,
Warmhalteübungen sind vonnöten,
sonst geht die Lust und die Laune flöten.
Der Flachmann nochmals rumgereicht,
ob der Korn für alle reicht?
Es weht ein kalter Wind -
mal von vorn, mal von hint` ,
auch mal von seitlich,
das Wetter ist etwas unleidlich.
Die Boote mischen kräftig auf,
die Mannschaft trotzt dem Wasserlauf,
sie ziehn und ziehn ohne zu wanken -
schon in der warmen Kneipe in Gedanken:
Wie eine Fata Morgana lockt am Horizont
ein „Weizen“, dass sich süffig in der Sonne sonnt -
ein Tropfen perlt am Glas hinab . . .
weiter rudern – mach nur nicht schlapp!
Doch die Wellen schwappen hoch -
der Wind ist kalt, geht durch und durch -
die Füße frieren, kalte Zehen -
die Hände klamm am Holmen kleben.
Die Mütze tief bis über die Ohren,
der Steuermann ist eingefroren:
„Wär` ich doch daheim geblieben
müsst` ich hier nicht so erbärmlich frieren.
Oder hätt` ich mich dafür entschieden,
mit den anderen zu Fuß zu gehen!“
Gleich nach Auheim zu entdecke -
ein Hindernis liegt in der Strecke,
mitten in des Flusses Lauf,
hält sie Hainstadt` s Schleuse auf.
Doch Ruderer sind mehr als schlau
natürlich wussten sie` s genau:
Dies Hindernis ist zu passieren,
ohne sehr viel Zeit zu verlieren.
Im Vorfeld konnt` man den Wärter überraschen
mit Alkohol in Form von Flaschen:
„Mach auf das Tor, das Tor mach weit,
es kommen Boote mit Hanau` s Leut` -
die wollen weiter ohne Halt,
zum Warten ist es heut zu kalt!“
So reicht ein Anruf kurz davor -
schon öffnet sich das Schleusentor,
ohne Stop und groß Gejammer,
gleiten die Boote in die Schleusenkammer -
zusammen mit dem langen Schubverband,
der dadurch die Schleuse offen fand.
Nach einer halben Stunde,
war die Schleuse überwunde -
ein kräftiges „Hipp, hipp, hurra!“
brachten sie als Dank dem Wärter dar.
Vollzählig sind auch die Wandersleut` :
„Wir laufen los, sonst wird’s zu spät -
um zwölf woll` n wir an der Fähre sein,
die Boote hol` n uns sicher ein!“
Die Wandergruppe ist komplett bestückt -
lustig wandert sich’s zu dritt:
Hanno, Moofree und der Frieder -
sind die eifrigen Marschierer.
Ein frohes Lied wird angestimmt,
in der Kälte doch der Ton verstimmt -
so wandern sie mit flottem Schritt,
dann kommt die Kälte nicht so mit.
Uns` Frieder hat doch schon vor Wochen,
die beste Kneipe angesprochen:
„Wir kommen mit ca. 15 Mann,
am Samstag gegen Mittag an -
ein warmer Platz, gutes Essen,
reichlich zum Trinken nicht vergessen!“
Das erste Ruderziel, in aller Ehre,
ist die Seligenstädter Fähre -
hier hat die “Schachtel“, wie besprochen,
den Fährmann vorher glatt bestochen.
Ein Telefonat kurz und klar:
„Hallo, hallo – wir sind gleich da,
wir machen` s wie im letzten Jahr,
wir legen einfach bei Dir an!“
Manfred steuert mit Elan,
die Mollebusch zur Fähre ran.
Plötzlich ein Ruck -
plötzlich kein Druck -
die gute alte Steuerleine -
teilt sich glatt in ein, zwei Teile!
Manfred guckt doch recht verdattert,
als der Leinenrest im Winde flattert:
„Das Steuer reagiert nicht auf mein Ziehen!!
Weg von der Fähre – ich kann das Boot nicht dirigieren!“
„Steuerbord stoppen – dann alles voraus!“
Erst mal auf den Fluss hinaus -
dort kreist sie unfreiwillig und steuerlos,
Pioretten - frei nach Johann Strauß.
Manfred rief: “Ein Band brauch ich, egal woher -
dann ist` s Reparieren nicht mehr schwer!“
Doch woher nehmen ohne zu stehlen -
das einzige Band war an den Schuhen zu sehen.
Herbert, auch “Schachtel“ genannt,
hat die Situation sofort erkannt,
wollte sich auch gar nicht wehren,
seinen Senkel herzugeben -
damit konnte Manfred ohne murren,
die Steuerleine wieder fest verzurren.
Inzwischen hat die Pontresina es geschafft
und an der Fähre festgemacht.
Der Landdienst - sprich die Wanderer -
waren zum Helfen auch noch da.
Aktive raus, Dollen auf -
Skulls abnehmen, Boot rausheben.
Auch die Mollebusch legt endlich an -
zieht viele Zuschauer in ihren Bann,
das Anlegemanöver hat sie interessiert,
auch, warum die Fähre so lange wird blockiert.
Ein Ruck, ein Krach, ein kleines Beben -
sie konnten den Sechser glatt aus dem Wasser heben.
Ausgestiegen, Skulls verstaut,
so wird das Boot am Deich vertäut -
endlich fertig – ohne Hast,
das Ziel erreicht – das ist doch was!
Die Mannschaft hat, man muss es loben,
professionell die Boote auf der Fähre herausgehoben!
Inzwischen nagt der Hunger kräftig -
der Durst ist vielfach übermächtig,
die Fähre bringt uns unterdessen,
vom Bayernufer zurück nach Hessen.
Endlich an Land - wo geht es lang?
Mit schnellem Schritt und hungrigem Blick -
` ne Seeräuber-Crew aus früheren Zeiten,
konnt` ähnlich viel Schrecken im Volke verbreiten!
15 Ruderaktive mit lautem Geplänkel -
einer davon gar ohne Senkel -
3 davon getarnt als Wandersleut,
der Wirt hat sich bestimmt gefreut.
Der Tisch für uns war reserviert:
„Für 17 Mann“, wie er erklärt -
er sagt mit freudig überraschtem Ton:
“Zwei von euch - die sind da schon!“
Da saßen sie und strahlten helle,
an des Bieres direkter Quelle –
wie die Alten auf dem Balkon, ja genau,
in der bekannten Muppets – Show.
Herbert und Hans-Jürgen glücklich beisammen:
„Konntet ihr nicht schon früher kommen?“
wir warten fast `ne gute Stunde -
sind schon bei der zweiten Runde!“
Jacke aus und Platz einnehmen:
Die Wärme hier war angenehm,
in der Speisekarte war zu seh` n,
dass Goethe hier mit großer Lust,
damals aß die Ochsenbrust -
trank dazu was ganz perfides,
ein gut gezapftes Kellertrübes.
Und so kam es, wie es musst` ,
mehrfach diese Ochsenbrust -
die Wirtin hat es rangeschafft,
Kellertrübes - frisch gezapft!
Das war der Mühe schöner Lohn:
Warm zu sitzen, wer hat das schon -
Bier vom Fass, ein gutes Essen -
uns geht’s gut – bitte nicht vergessen!
Zur Unterhaltung engagiert,
ein Gast sich sehr berufen fühlt -
erzählt uns Witze pausenlos,
sein Repertoire war riesengroß.
Wir aßen, lachten, tranken -
schöne Stimmung wie wir fanden,
dann so gegen kurz nach drei,
war der ganze Spuk vorbei.
Zurück marsch, marsch - genug vergnügt,
ihr müsst sehn, dass ihr die Kurve kriegt.
Zurück zum Boot und eingesetzt,
mit der Strömung rudert ihr jetzt.
Auf der Fähre - wir konnten` s kaum glauben -
der Käpt` n auf Hochtouren bringt die Schrauben,
es dreht sich die Fähre im Walzertakte,
dreimal mindestens um ihre eigene Achse!
Durch das Drehen,
Wellenberge entstehen -
die Fähre schwankt und wackelt sehr,
wirft die Fahrgäste hin und her!
Diese Zugabe belohnt mit Freudengeschrei,
das Publikum an Bord, das direkt mit dabei.
Auch am Ufer die Unmenge Leut` -
waren über diese Darbietung hocherfreut.
Mal im Vertrauen - wer hat dem Kapitän,
dafür sein Weihnachtsgeld gegeben??
Vom Walzerrhythmus inspiriert,
folgt das Boote einsetzen wie geschmiert -
Verabschiedung mit lautem “Hipp, hipp, hurra -
Wiederholung dann im nächsten Jahr!“
Die Wanderer konnten das Geschehen,
vom Lande aus gut einsehen.
Jeder freute sich an dem Ereignis,
war es doch ein gutes Zeugnis,
für die Beliebtheit der Ruderei,
wenn - wie heut - das Herz dabei.
Vom Ufer war dann zu erkennen,
dass die Boote sich entfernen -
nur akustisch klingt` s noch nach:
Das war doch wieder ein toller Tag!
HZ